Geschichte der Planetarien

Vorgeschichte
Als Planetarien wurden schon vor Jahrhunderten (Tisch-)Geräte bezeichnet, die die Bewegung der Planeten auf mechanische Weise darstellen. Die Geschichte der Planetarien im heutigen Sinne – der Projektions-Planetarien – begann dagegen erst Anfang des 20. Jahrhunderts:

1919
Walther Bauersfeld, Ingenieur der Firma Zeiss, erstellt nach früheren Ideen die Pläne zur Konstruktion des ersten Planetariumsprojektors.

1923
Der erste Planetariumsprojektor ("Modell I") wird bei Zeiss in Jena fertiggestellt und dort testweise vorgeführt – von der begeisterten Öffentlichkeit als "Wunder von Jena" bezeichnet.

1925
Eröffnung des ersten Projektionsplanetariums der Welt im Deutschen Museum in München. Dieses Planetarium ist als ältestes der Welt auch heute noch in Betrieb, jedoch heute mit einem moderneren Projektor.

1926
In Barmen (Wuppertal) eröffnet das erste Planetarium mit einem "Modell II"-Projektor von Zeiss, der erstmals auch den südlichen Sternenhimmel darstellen kann; es ist der erste hantelförmige Sternenprojektor. Im selben Jahr folgen Leipzig, Düsseldorf, Jena, Dresden und Berlin.

1927
Neben Mannheim und Nürnberg wird auch in Wien ein Planetarium eröffnet, das erste Planetarium außerhalb Deutschlands. Auch Liegnitz (heute Legnica in Polen) hat einige Monate lang ein Planetarium.

1928/1929
Hannover und Stuttgart erhalten ein Planetarium. Die ersten Planetarien außerhalb des deutschen Sprachraums eröffnen in Rom und Moskau.

1930
In Chicago eröffnet das erste Planetarium außerhalb Europas, ebenso Hamburg, Stockholm und Mailand.

ab 1930
Mehrere Planetarien werden wegen geringer Besucherzahlen wieder geschlossen. Die immer gleichartigen Vorführungen waren zu wenig abwechslungsreich; demonstriert wurde damals in allen Planetarien meist nur der Sternenhimmel mit den Planetenbewegungen. Die allgemeine wirtschaftliche Situation verstärkt diesen Trend zusätzlich.

ab 1939
Herstellung kleinerer Projektoren für Kleinplanetarien, zuerst durch Zeiss in Deutschland (Modell "ZKP") im Auftrag der Wehrmacht. Später entwickelt auch Armand Spitz in den USA ab 1947 Geräte mit weniger aufwändiger Loch-Projektion.

1943-45
Viele Planetarien werden bei Bombenangriffen beschädigt und daraufhin geschlossen. Die meisten dieser Planetarien wurden nach Kriegsende nicht wiedereröffnet. Einzig Jena und Hamburg überstehen die Kriegswirren weitgehend unbeschadet, auch das Planetarium im Deutschen Museum nimmt danach wieder seinen Betrieb auf.

1948
Zeiss ist nach Kriegsende geteilt in zwei unabhängige Unternehmen: In Jena (DDR) und in Oberkochen (BRD). An beiden Orten beginnt die voneinander getrennte Neuentwicklung von Planetariumsprojektoren. In Oberkochen werden vor allem Projektoren für Großplanetarien entwickelt ("Modell III" bis "Modell VI"), während in Jena auch Projektoren für Klein- und Mittelplanetarien entstehen.

1950er Jahre
Viele weitere Firmen beginnen mit dem Bau von Planetariumsprojektoren, darunter Minolta und Goto in Japan. Aus privaten Initiativen entstehen unterschiedliche Varianten von Kleinstplanetarien, teils in Gestalt mobiler Geräte und Kuppeln, die vor allem Schulen dienen.

1960er Jahre
Schon früh kamen in Planetarien zusätzlich zum Sternenprojektor auch Dia-Projektionen zum Einsatz, um Bilder in den Sternenhimmel einzublenden. Auf dieser Basis wurde, zuerst in den USA, die "All-Sky"-Projektion entwickelt, bei der mehrere Diaprojektionen (meist sechs) so kombiniert sind, dass sich der Eindruck eines zusammenhängenden, die Kuppel ganz ausfüllenden Bildes ergibt. Das eröffnete den Planetarien neuartige Darstellungsmöglichkeiten. Parallel entsteht eine Vielzahl an Zusatzprojektoren für astronomische Darstellungen, die über die Möglichkeiten des eigentlichen Sternenprojektors hinaus gehen (kreisende Jupitermonde, sich drehende Galaxien,…) – die Herstellung solcher Zusatzprojektoren führt zur Entstehung hierauf spezialisierter Firmen, z.B. Sky-Skan (USA). Auch die Nutzung von Laser-Projektionen für Show-Effekte und astronomische Grafiken in Planetarien kommt in den 1960er Jahren auf.

1967
Einführung der ersten automatischen Steuerung eines Planetariumsprojektors, basierend auf Lochstreifen-Daten (Zeiss Jena). Damit wird es möglich, alle Bewegungen einer Vorführung vorab aufzuzeichnen und dann immer wieder automatisch ablaufen zu lassen. Zuvor musste jeder Ablauf in jeder Vorführung manuell gesteuert werden. Die meisten Planetarien bleiben noch bis in die 1990er Jahre rein manuell gesteuert.

1968
Zeiss Oberkochen führt den "Modell VI"-Projektor ein. Er bleibt 20 Jahre lang der modernste Planetariumsprojektor aus Oberkochen und ist das letzte dort gebaute hantelförmige Modell. In den folgenden Jahren wird es u.a. in Stuttgart, Mannheim und Hamburg eingesetzt.

1975
Zeiss Jena führt den neuen Kleinplanetariums-Projektor "ZKP2" ein, der erste hantelförmige Projektor für Kleinplanetarien. Noch heute sind zahlreiche Planetarien mit diesem Gerät ausgestattet.

1980er Jahre
Mehrere Firmen führen erste computergesteuerte Planetariumsprojektoren ein. Damit wird eine automatische Steuerung des Planetariums entscheidend erleichtert. Ebenfalls werden seit Mitte der 80er Jahre die Zusatzprojektionen (s.o.) zunehmend durch Video-Projektion verdrängt (anfangs im PAL- oder NTSC-Format).

1983
Das erste "digitale Planetarium" (Richmond, USA; Modell "Digistar" der Firma Evans&Sutherland) entsteht. Die Sternenprojektion erfolgt hier nicht durch einen optisch-mechanischen Sternenprojektor, sondern durch CRT-Videoprojektoren. Solche frühen digitalen Planetarien waren jedoch nur in der Lage, Punkte und Linien (sog. Vektorgrafik) zu projizieren. Auflösung und Kontrast der Projektion waren deutlich geringer als in herkömmlichen Planetarium; es entstanden jedoch neue Darstellungsmöglichkeiten. So konnten Planetarien in den darauf folgenden Jahren erstmals die dreidimensionale Anordnung der Sterne im Raum demonstrieren: Die Grenzen der bisher rein geozentrischen Darstellung des Sternenhimmels wurden überwunden.

1992
In gemeinsamer Arbeit beider Zeiss-Firmen – kurz vor deren Wiedervereinigung – entsteht für das neue Planetarium im "Forum der Technik - Deutsches Musem" München das "Modell VII" in kugelförmiger Bauweise. Vorläufer gab es sowohl in Oberkochen ("Modell VI-TD") als auch in Jena ("Universarium").
Wesentliches Merkmal des "Modell VII" ist eine Glasfaser-gestützte Projektion, die eine absolut naturgetreue, gestochen scharfe Projektion der künstlichen Sterne ermöglicht. Auf demselben Prinzip basieren die folgenden Modelle "Universarium VIII", ab 1998, und "Universarium IX", seit 2000.

1996
Das Planetarium im Osaka Science Center in Japan stellt anlässlich der IPS Konferenz die weltweit erste Installation einer Fulldome-Videoprojektion vor. Anders als bei frühen "Digistar"-Modellen (s.o.) wird hier keine Vektor-, sondern eine Rastergrafik projiziert, also normales Video, das die gesamte Kuppel überdeckt.

2000
Das Hayden-Planetarium (New York) wird mit der weltweit ersten Installation einer digitalen Echtzeit-Fulldomeprojektion neu eröffnet. Die gezeigten Flüge durch den Kosmos werden von SGI-Supercomputern in Echtzeit berechnet und mit Beamern kuppelfüllend projiziert. Dies ermöglicht nicht nur eine digitale Projektion von Sternen und Himmelskörpern, sondern Darstellungen aller Art – nicht nur astronomischen Inhalts, sondern auch aus anderen Wissensgebieten.
In den folgenden Jahren bieten mehrere Firmen, zuerst Evans&Sutherland sowie Sky-Skan, solche Systeme kommerziell an. Während 2000 noch Hochleistungs-Grafikcomputer nötig waren, um basierend auf digitalen 3D-Daten der Himmelskörper die Bilder in Echtzeit zu generieren, ist dies heute mit handelsüblichen PCs möglich. Heute sind die meisten Großplanetarien der Welt mit einer solchen digitalen Fulldomeprojektion ausgerüstet.

2001
Als erstes Planetarium im deutschsprachigen Raum erhält das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern ein digitales Fulldomesystem, bei dem allerdings zunächst nur die Wiedergabe von vorgefertigten Ganzkuppelvideos möglich ist.

2003
Das Planetarium Hamburg und der Mediendom Kiel werden die ersten Planetarien im deutschsprachigen Raum mit einem echtzeitfähigen digitalen Fulldomesystem ("Digistar 3" von Evans&Sutherland).
In den folgenden Jahren entwickeln zahlreiche Hersteller Fulldomesysteme, die auch die Anforderungen unterschiedlicher Kuppelgrößen berücksichtigen. Immer mehr Planetarien werden mit solchen Anlagen ausgestattet, meist als Ergänzung des optomechanischen Projektors. Teilweise werden die optomechanischen Geräte aber auch komplett durch digitale Anlagen ersetzt.